Gute Idee

Grundlagen der Ideenfindung

Die Grafik des Gartens

Eine Möglichkeit sich den Formen des Gartens anzunähern ist die Grafik. Gleich einem Gemälde werden Formen und Farben im Beziehung zueinander gesetzt um eine harmonische Komposition zu ergeben. Wie in der zwischenmenschlichen Kommunikation

es nicht möglich ist nicht zu kommunizieren

(Paul Watzlawick)(Klicke HIER um das Buch bei Amazon zu kaufen), so auch in der Gestaltung hat jede Form eine Aussage, doch eine Grafik alleine wirkt nur der Darstellung des Künstlers und ist tot, wenn sie nicht mit einem Leitbild, Inhalt und Seele gefüllt ist.

Die Landschaftsarchitektur verfügt über eine sehr breite Palette an Ausdrucksformen: Gebäude, Mauern, Wege, Plätze, Pflanzen, Wasser, Licht, Wind die alle geeignet sind vielfältige Orte zu erzeugen.

Der Punkt

Der Punkt ist gewissermaßen das Atom der Bildsprache. Das ist die kleinste Einheit, das eindimensionale Objekt, welches allein für sich wenig aussagekräftig ist. Bekannte Erscheinung sind die Sternenbilder. Viele Lichtjahre entfernt, sind für das menschliche Auge nur Punkte sichtbar.

Großer Wagen
Sieben Sterne die heller sind als die anderen

Das Sternzeichen „der Große Wagen“ sind objektiv betrachtet sieben Sterne die etwas heller sind als ihre Umgebung.

Großer Wagen
Gedanklich verbunden bilden sie einen „Wagen“

Mit etwas Fantasie wird aus den sieben Punkten ein Wagen und die Punkte bekommen eine „Geschichte“. In der Landschaftsarchitektur eigenen sich um Akzente zu setzten mit von Solitärbäumen, Kunstobjekten, Fontänen oder um Dichte und Weite zu erzeugen mit Hainsituationen.

Die Linie

Nach Wassisy Kandinsky (HIER) sind geometrische Figuren Resultate der Bewegung in der Form der Spannung und Richtung.

Kubismus
Linien, Punkte, Kreise, Flächen in Kombination mit Farben bilden eine Komposition

Eine Linie entsteht, wenn ein Punkt sich in Bewegung setzt. Die Linien leiten das Auge des Betrachters, und geben Kompositionen Struktur und Form. In der menschlichen Wahrnehmung sind geometrische Strukturen gleich stark mit Farben und sollten daher sorgfältig gewählt werden. Linien lassen sich unterscheiden im Raum: in waagerechte, lotrechte und diagonale, in der Geometrie: in Strahl, Strecke, Gerade, in der Form: in geschwungen, gebogen, gerade, in der Größe: in kurz, lang, in der Beziehung zueinander: in parallel oder kreuzend. Linien begrenzen Flächen und Körper, je nach Anordnung im Raum ergeben sich unterschiedliche Effekte, die vom Betrachter verschieden interpretiert werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Kinderzeichnung von Antoine de Saint-Exupéry.(Klicke HIER um das Buch bei Amazon zu kaufen)

Zunächst ist das nur eine Linie in der die meisten Erwachsenen einen Hut sehen,

Hut
Für den ahnungslosen Betrachter ist es nur ein Hut

 

 

 

 

 

der Künstler jedoch sieht darin eine Geschichte von einer Schlange die einen Elefanten verschluckt.

Schlange im Elefant
Das Kind sieht eine Schlange die einen Elefanten verschluckt hat

 

 

 

 

 

Im Regelfall macht der Gartenbenutzer sich wenig bis gar keine Gedanken über die theoretischen Hintergründe der Linienführung, sind jedoch Fehler in der Gestalt gemacht, kann das zu einem Verlust der Aufenthaltsqualität führen. Anschauliches Beispiel für die Linienführung ist die Pflasterfugenausrichtung eines Weges.

Schmaler Weg mit Fuge in Gehrichtung animiert die Fußgänger zum schnellen gehen, breiter Weg mit Querfugen lädt zum gemütlichen Flanieren ein. Oder ein schmaler Platz mit Fugen parallel zu der langen Seite wirkt optisch noch länger. Ebenso die Mauern können durch das Format der Steine und den dadurch bedingten Fugenverlauf die Waagerechte oder die Senkrechte betonen. Die Bedeutung der Fugen für die Gestaltung nimmt bei großen Steinformaten zu. Enge Fugen die suggerieren eine homogene Fläche.

Linien finden sich auch in der Vegetation wieder. Gräser, „Säulengehölze“ bilden senkrechte Strukturen und stehen im Kontrast zu feinblättrigen Flächendeckern. In den Pflanzungen von Piet Oudolf spielen waagerechte und lotrechte Strukturen der Pflanzen eine besondere Rolle für den Winteraspekt.

Geschwungene Linien in der Wegeführung können eine Gestaltung bereichern, wenn die sinnvoll sind. Wenn ein Weg sich an der Topographie, Torsituationen, Pflanzungen orientiert und im Verlauf unterschiedliche Ausblicke bietet, wird er von den Nutzern gut angenommen.

Eine besondere Form der Linie ist die Grenze. Grenzen sind überall. Eine Fläche und ein physikalischer Körper sind durch Kanten begrenzt. Ein Grundstück, ein Ort, ein Land, ein Kontinent- alle haben Grenzen. Und dann kommen noch die unsichtbaren Grenzen im Kopf dazu: Grenze der Vorstellungskraft, der Rechenleistung, der Geduld, des Verständnisses, der Toleranz.

Grenzverschiebung hat immer mit Neuland zu tun in der geistigen, sowie in der körperlichen Welt. Um die Vorstellungskraft zu erweitern, muss man aus der Komfortzone in das neue, unbekannte vordringen. Bei der Veränderung der physischen Grenzen sind jedoch immer mindesten zwei Parteien beteiligt- wenn die eine ein Vorteil bekommt wird die andere benachteiligt. Dieses Gesetz gilt für Staaten ebenso wie für die einzelnen Bürger. Nicht umsonst bekommt das Thema Zonierung der Freiräume einen eigenen Schwerpunkt in dem Studium der Gartenarchitekten.

Besonders sichtbar sind die Grenzen da wo die Menschen ihr eigenes, kleines Reich bauen: in der Reihenhaussiedlung, im Schrebergarten, auf dem Campingplatz und am Pool auf Ibiza. Dieses scheinbar unüberwindbare, von den Urinstinkten gelenkte Bedürfnis nach Beschränkung haben die Baumärkte entdeckt und bieten den Heimwerkern im Land alles was das Herz begehrt, um sich von den Nachbarn und der Öffentlichkeit abzuschotten.

Jeder, von Flensburg bis Passau, hat freien Zugang zu Sichtschutzelementen mit wohlklingenden Namen, die meist den Herstellungsort in Osteuropa ahnen lassen. Der absolute Topseller unter den Sichtschutzelementen, der Flechtzaun „Riga“ in den Abmessungen Meterachtzig mal Meterachtzig für achtzehn Euro achtzig hat leider einen großen Nachteil- er verleiht jedem Ort den Charakter von liebloser Gestaltung.

Die Fläche

Die Fläche erstreckt sich in die zweite Dimension und wird von Linien umschlossen. Flächen können unterschiedlich beschaffen sein: rau, glatt, gekrümmt, eben, aus Ziegel, Pflanzen oder Wasser. Beweglich wie das Wasser oder Vegetation oder sprichwörtlich hart wie Beton.  Flächen ihrerseits bilden dreidimensionale Körper und Räume. Geschlossene Räume sind die bekannten (eigenen) Vier- Wände und ein Dach über den Kopf.

Wenn der Himmel das Dach bildet spricht man von Freiräumen.

Die den Raum bildenden Flächen sind entscheidend für dessen Charakter und Zonierungen. Zum Beispiel die befestigte Fläche der Terrasse schafft, wenn die anderen Faktoren wie Exposition, Schutz, Erreichbarkeit stimmen, ein Raum der als Treffpunkt für die Familie und Gäste dient. Eine Rasenfläche die ebenerdig anschließt, hat bereits einen anderen Charakter. Die Grünfläche ist besser zum Spielen und Toben geeignet.

Oft wird der Fläche bereits in der Bezeichnung eine Funktion zugewiesen: Spielfläche, Abstellfläche, Abstandsfläche, Werbefläche, Pflanzfläche- die Aufzählung kann beliebig lang fortgesetzt werden. Flächen ohne Richtung, dazu zählen: verputzte Mauern, fugenlose Bodenbeläge wie Asphalt oder Kies, Wasserflächen wirken durch ihre Farbe und Textur. Flächen mit Fugen, wie Pflaster, Klinkerwände haben zusätzlich durch die Gestalt der Linien eine leitende Funktion für das Auge im Raum.

Der Körper

Die dritte Dimension der Gestaltung ist der geometrische Körper. Die Form oder Figur eines Objektes hat eine starke emotionale Aufladung und Wirkung auf den Raum. Der Habitus einer Pflanze ist entscheidend für die Strukturbildung einer Pflanzung.

Der Habitus bestimmt die längste Zeit des Jahres, wenn die Pflanze nicht gerade blüht, über das Aussehen derselben. Wie man an den vielen negativen Beispielen sieht, kann die Form einer Pflanze auch gegen ihren natürlichen Wuchs gestaltet werden. Die Körper im Raum bilden die Gesamtkomposition und interagieren miteinander.

Daher unterordnet sich die Form der Körper dem Stil der Gestaltung. In der architektonischen Gestaltung herrschen strenge geometrische Formen, in der naturnahen, organischen Gestaltung- geschwungene, fließende Figuren. Die Größe und die Form der Körper sind entscheidend für die Raumbildung. Große Objekte mit einem Verhältnis von 1:1 zum Betrachter schaffen ein Gefühl der Enge, bei einem Verhältnis von 1:12 entsteht das Gefühl der Weite.

Die Textur

Die Beschaffenheit der Fläche bestimmt die Wirkung und die Nutzung dieser. Ist die Fläche rau oder glatt, bunt oder einfarbig, ruhig oder wild- davon hängt ab wie die Struktur mit dem Raum korrespondiert.

Der Raum

Durch physische und gefühlte Grenzen gestalteter Ort, der eine bestimmet Choreographie besitzt. JEDER Raum hat einen Charakter. Eine bekannte Maxime von Paul Wazlawik (Klicke HIER um das Buch bei Amazon zu kaufen) aus der Soziologie heißt: man kann nicht nicht kommunizieren. Übertagen auf den Raum bedeutet das, dass jeder Raum eine bestimmte Aussage hat, unabhängig davon ob der Gestalter es wollte oder nicht. Die Kunst der Planung besteht darin die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen.

Die Zeit

Der Faktor Zeit ist der einzige der auf alles gleichmäßig wirkt. Auf Menschen genauso viel wie auf die Gegenstände. So wie jede Gestaltung sich in einen bereits vorhandenen Zeitlichen Kontext einordnet, so ist sie auch im Verlauf ihres Lebenszykluses diesem unterworfen.

Die Landschaft in Mitteleuropa ist eine Kulturlandschaft: die jahrelange Nutzung hat vielfällige Spuren hinterlassen. Besonders in Siedlungen sind Zeugen der Vergangenheit deutlich sichtbar. Das besondere an Freiräumen ist deren Veränderung im Laufe der Jahreszeiten.

Laubbäume werfen das Laubkleid ab, Stauden ziehen ein zum überwintern, Schnee hüllt die Landschaft in eine weiße Decke. Das Frühlingerwachen der Natur erfreut alle mit reicher Blüte und länger werdenden Tagen. Der Rhythmus der Jahreszeiten sorgt für ständige Abwechslung im Freien. Aber auch der Wechsel von Tag und Nacht bringt Dynamik in die Gestaltung. Viele Berufstätige Gartenbesitzer erleben ihren Garten erst am Abend.

Lichtinstallationen können besondere Stimmungen im Garten erzeugen und echten Mehrwert für die Nutzer bieten.

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