Der Traumgarten

In drei Schritten zu deinen Traumgarten

In drei Schritten deinem Traumgarten

Es gibt Dinge im Leben die tut man mehrmals: Einkaufen, in Urlaub fahren, Tante Emma besuchen. Und es gibt Dinge die tut man nur wenige Male im Leben. Dazu gehört neben der Berufswahl und der Entscheidung für die richtige Bausparkasse; die Planung des eigenen Gartens. Wie bei allen Dingen, die man nicht oft tut, lauern hier einige Fallen, die du vermeiden solltest. Der häufigste Fehler ist eine objektbezogene Planung. Ich habe keine Ahnung ob es diesen Begriff gibt, will damit sagen: Dir gefällt der rote Pflasterklinker den du in deinem Ostseeurlaub gesehen hast, du liebst das mediterrane Flair, die Beetbrüder bei VOX haben dir gezeigt wie man Holzterrassen baut und in der Gartenzeitschrift hast du gelesen, dass Insektenhotel ein „musthave“ ist. Alle diese „Objekte“: rote Pflasterklinker, mediterrane Natursteine, Holzterrasse und Insektenhotel und noch viel mehr packst du jetzt in deinen Garten. Dabei entsteht eine Sammlung von unabhängigen, wenn auch jedes für sich schönen, als Gesamtkomposition aber losen Dingen. Der Garten bekommt die Atmosphäre einer Ausstellung in Baumarkt, wo auf möglichst wenig Verkaufsfläche, möglichst viel Ware präsentiert werden soll.

Was Gartenplanung vom Militär lernen kann.

Gegenteil von objektbezogener Planung ist die strategische Planung. Dabei geht es darum den Planungsprozess, den Kreativitätsprozess und den Ausführungsprozess zu trennen. Es funktioniert ähnlich der sechs Denkhüte Methode von De Bono aus dem Jahr 1986, bei der der Kreative oder Diskussionsteilnehmer eine einzige Rolle im Prozess spielt: der Kreative, der Moderator, der Optimist usw. Für Augustdorf eignet sich das Beispiel der Militärdienstgrade. Der General überblickt das Große Ganze, er kümmert sich nicht um den Einkauf von Konserven oder Druckerpapier, er gibt die Richtung vor. Der Offizier führt den Befehl des Generals aus, die Richtung ist klar, er organisiert die Ausführung: Logistik, Zeitplan, Informationsabläufe. Die Ausführung Vorort übernehmen die Soldaten. Ein Soldat muss keine strategischen Entscheidungen treffen- er muss die Befehle möglichst gut ausführen. Übertragen auf die Planung bedeuten die drei Dienstgrade, drei Planungsebenen, die sich je nach Größe des Projektes in verschiedenen Maßstäben ausdrücken.

Erster Schritt

Wenn du einen Hausgarten für ein Einfamilienhaus planst, beginne mit der Rolle des Generals. Setze dir gedanklich eine Generalsuniform auf und nimm ein Plan von dem zu planenden Grundstück in Maßstab 1:500 zur Hand. Verschaffe dir einen Überblick. Blickbeziehungen zwischen den Verweilplätzen, Wegebeziehungen, Nutzungsbereichen, Sonnenverlauf, neugierigen Nachbarn und wichtigen Blickachsen aus dem Haus. Bitte in diesem Stadium noch keine Materialien oder Details. Genauso soll der Plan graphisch aussehen: Funktionsbereiche mit einfachen Kreisen markiert, die Wegbeziehungen und Blickachsen mit Pfeilen markieren, wichtige Informationen in dem Plan verorten. In dieser Phase wird auch die Gestaltidee festgelegt, was sind die Hauptmerkmale des zukünftigen Gartens. Zum Beispiel Repräsentation, Erholung, Alltagstauglichkeit oder Selbstversorgung.

Zweiter Schritt

Wenn alles Formale geklärt ist, geht es um das Organisatorische. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um über gesetzliche Bestimmungen, Wegverläufe, Terrassenabmessungen, Standorte für die einzelnen Pflanzen und deren Gestalt nachzudenken. Sinnvoll ist es in dieser Phase darüber nachzudenken wieviel Pflege die einzelnen Bereiche in Zukunft beanspruchen dürfen. Es ist die Arbeit des „Gartenoffizieren“ zu bestimmen aus welchem Stein und wie breit der Weg sein soll. Geeigneter Maßstab im Bereich des Hausgartens ist der 1:100. Im eins zu hunderter können Objekte wie Bänke, Grills, Spielgeräte, Zäune und Solitärgehölze eingezeichnet werden. Hier entspricht ein Planzentimeter einem Gartenmeter. Dieses Planwerk eignet sich hervorragend um im Gelände die Maße abzustecken und Mengen für die Materialbeschaffung zu ermitteln. Je nach Größe des Gartens kannst du die Planung auf mehrere Offiziere, das heißt in sinnvolle Abschnitte, verteilen.

Dritter Schritt

Der dritte Schritt ist die Umsetzung. Jetzt ist der Zeitpunkt den Gartenkatalog in die Hand zu nehmen oder in eine Ausstellung zu fahren oder im Internet nach „Gartengestaltung Augustdorf“ zu googeln. Jetzt kannst du bestimmen welche Pflastermarke und welche Pflanzen es sein sollen. Jetzt ist es Zeit für Details. Es geht darum die Vorplanung möglichst gut umzusetzen. Graphisch lässt sich das am besten im 1:10 oder in 1:20 darstellen. Detailzeichnungen und Schnitte helfen Probleme im Vorfeld zu erkennen und bestenfalls zu beseitigen. Besonders bei Höhenunterschieden können Schnitte und Modelle helfen, Erdbewegungen sinnvoll zu planen und so unnötige Arbeit und Kosten zu vermeiden.

Visualisiere deinen (Traum)Garten

Sowie ein Gedanke, der nicht aufgeschrieben worden ist, ein verlorener Gedanke ist, so ist auch eine Idee, die nicht in irgendeiner Form festgehalten ist eine verlorene Idee. Ich empfehle ausdrücklich auf Papier zu planen, außer du hast Graphikdesign studiert. Denn Kreativitätskiller Nummer eins sind die Gartenplanungsprogrammchen auf dem Computer! Hier lauern zwei Probleme. Erstes Problem. Diese Programme oder Apps sind oft von den Objektherstellern gemacht und verleiten zum objektbezogenen planen. Mit wenigen Mausklicks lassen sich Pflastermuster und Gabionenanordungen erstellen die auf dem Bildschirm ganz nett aussehen, in der Realität „Augenkrebs“ erzeugen und mangelhafte Funktionalität aufweisen. Zweites Problem. Planungsapps habe eine gewisse Einarbeitungszeit, die je nach Funktionsumfang Stunden oder Tage dauern kann.

Gartenplanung - handgezeichnete perspektivische Skizze
Gartenplanung – handgezeichnete perspektivische Skizze

Eine einfachere Planungsmethode ist es sich eine Planungsunterlage auszudrucken, Transparentpapier darüber zu legen und mehrere Varianten mit Buntstiften anzufertigen. Anstatt Transparentpapier kannst du auch Backpapier nehmen. Es gibt zwei Möglichkeiten sich einen Plan zu besorgen: im zuständigen Amt oder im Internet auf den amtlichen Geodaten Portalen. Achte darauf, dass der Plan maßstabsgetreu ist, besonders bei den selbst ausgedruckten Plänen. Der Maßstab lässt sich leicht überprüfen: ein Zentimeter auf der ein zu fünfhunderter Karte entspricht fünf Metern in der Realität. Dabei ist es wesentlich effizienter viele Entwürfe zu erstellen, ruhig zehn oder zwanzig, und aus den, einen der zur Ausführung kommt, auszuwählen, als sich gleich bei dem ersten Entwurf in Details zu verstricken und in Perfektionismus zu verfallen.

Fazit

Jeder kann seinen Traumgarten planen. Hole dir die Informationen zu jedem Planungsschritt und trenne die kreative, die organisatorische Arbeit und die Umsetzung von einander. Plane vom groben Maßstab zum feinen. Mach den Maßstabwechsel erst wenn alle Fragen geklärt sind. Es macht wirklich keinen Sinn über die Farbe des Bodenbelags nachzudenken, solange die Funktionsbereiche nicht festgelegt sind. Gehe systematisch vor und lasse dich an den notwendigen Stellen beraten, halte die Augen auf und sei neugierig auf dem Sonntagsspaziergang oder im Urlaub.

Für mich trifft die Definition die Thomas Weißenborn (Klicke HIER um das Buch bei Amazon zu kaufen) für den Begriff „Heimat“ geprägt hat: „[…]Ort, an dem alles so ist, wie es unserer Meinung nach sein sollte“ auch auf den Traumgarten zu. In diesem Sinne: Genieße DEINEN Traumgarten!

3 thoughts on “In drei Schritten zu deinen Traumgarten”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.