Blutende hand

Wie gefährlich ist Gartenarbeit wirklich

Gartenarbeit macht mit Sicherheit Spaß

Aua!

Der Rasenmäher trennt sauber drei Fingerkuppen von Vadim von dem Rest seiner Hand.

Er wollte nur die Verstopfung in dem Grasauswurf beseitigen. Zum Glück ist seine Mutter Zuhause und kann die Hand verbinden und mit ihm zum Arzt fahren.

Diese Woche habe ich mir die Unfallstatistik der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau angesehen.

Die Berufsgenossenschaft hat nachgezählt

2015 sind insgesamt 152.463 Arbeitsunfälle im Gartenbau, Forstwirtschaft und Landwirtschaft passiert.

Ein Gärtner arbeitet 220 Tage im Jahr. Die BG rechnet einen Tag mit 10 Stunden oder 600 Minuten, je nach Bundesland. Gesamt sind das 132.000 Minuten pro Jahr- ergibt 1,155 Unfälle pro Minute oder alle 52 Sekunden einer.

Um es hoch anschaulicher zu machen, in der Zeit, in der sich bei Paarship ein Single verliebt, fallen 12 Gärtner von der Leiter. (oder tun sich anders wie weh)

In 80.825 Fällen verursacht der Unfall einen Arbeitsausfall von mehr als drei tagen, häufig wesentlich länger. Das sind die von den Gartenbaubetrieben gemeldeten Zahlen, die die Berufsgenossenschaft auf ihrer Seite veröffentlicht.

1,9% dieser Unfälle passieren im Haushalt oder im eigenen Garten, macht 2.896 Unfälle pro Jahr in der Bundesrepublik. Das kommt mit sehr viel vor.

Darüber habe ich mir Gedanken gemacht.

In der Praxis

Vorteil der Statistiken ist, man kann die vergleichen und sehen ob Präventionsmaßnamen greifen oder es starke Veränderungen gibt.

Als mein Betrieb von der Berufsgenossenschaft geprüft wurde, erzählte mir der Prüfer, dass es im Gartenbau mehr Todesfälle durch Leitern als durch Motorsägen gibt. Würde man ohne Statistik nicht unbedingt draufkommen. Eine Leiter sieht harmlos aus im Vergleich zu Motorsäge.

Ich weiß aber nicht, ob die Statistik die Fälle erfasst, wenn die Leute sieben Jahre Pech haben nachdem sie unter einer Leiter durchgegangen sind. Ich glaube diese Fälle sind nicht meldepflichtig.

Statistiken helfen die Relevanz von Berufskrankheiten zu beurteilen. Seitdem man weiß, wie viele Menschen durch Chromat im Zement und Vibration bei den Motorsägen geschädigt sind, kann man auf die Hersteller Druck ausüben. Es muss nicht immer zu aufsehenerregenden Massenklagen nach amerikanischem Vorbild kommen um etwas zu verändern.

Jetzt sind chromatarmer Zement und Motorsägen mit Schwingdämpfern Standard. Weil kluge Unternehmer sich Gedanken über die Nutzer machen, sichere Lösungen entwickeln und dadurch einen Wettbewerbsvorteil bekommen.

 

Nachteil der Statistiken ist- man weiß wenig über die einzelnen Fälle. Was ist da passiert? Bei welcher Arbeit lauern die Gefahren.

In meiner Zeit bei der Lebenshilfe musste ich einige Male unsere Betreuten zum Durchgangsarzt bringen. Zum Glück waren es immer Bagatellen. Oft einfach waren es Unfälle die nicht sein müssten: unaufmerksam beim Holz hacken- die Hand gestreift, abgelenkt beim Heckeschneiden- in den Oberschenkel mit der Heckenschere gezwickt und so weiter.

Nicht schlimm- tut aber weh.

Die größten Gefahren

Ich habe mir Gedanken gemacht. Was sind die Hauptunfallursachen?

Die erste Unfallursache heißt: „mal Eben“.

Während meiner Ausbildung wollte der Geselle eben vor der Mittagspause einen Baum fällen. Die Kette der Motorsäge war nicht richtig gespannt und er hat den Baum nicht gesichert. Die Folge: der Baum landete auf dem Wintergarten.

Sehr unangenehm.

Wenigstens kein Personenschaden.

Die Unfallreihe aus der Serie „mal Eben“ ließe sich lang fortführen. Mal eben mit dem Auto ohne die Scheibe zu kratzen im Winter umparken, ein Brett ohne Schnittschutzhose mit der Motorsäge kürzen, ohne Handschuhe eine Rose schneiden.

Kommen wir zur zweiten Ursache.

Ungeeignetes Werkzeug

Es kommt häufiger als man glaubt vor, dass einige Gartenpflege „Spezialisten“ Hecken mit Rasenmäher schneiden, Bierflachen mit der Motorsägenkette öffnen, Baggerschaufel als Hebebühne und den Kopf nur zum Müze tragen benutzen.

Mit einer stumpfen Axt brauchst du viel mehr Kraft für die gleiche Arbeit- wirst schneller müde und unkonzentriert und hackst dir in die Hand oder ins Knie. Mit einer stumpfen Säge kannst du nicht gut arbeiten.

Es war noch nie so leicht sich falsch zu ernähren. Genauso gab es auch noch nie eine Zeit in der jeder sich alle Werkzeuge leisten konnte. Der Gourmet Kaviar und die Motorsäge kommen heutzutage beide von dem Discounter aus Essen oder Neckarsulm, je nach Vorliebe.

Es ist ein aus meiner Sicht trauriger Trend. Jeder Heimwerker verfügt über alle Werkzeuge, vom Ambosfeile bis Zwetschgensäge aus dem Baumarkt die eins gemeinsam haben. Diese Werkzeuge taugen nichts, bringen keine befriedigenden Arbeitsergebnisse, gefährden die Bediener, sind aus den endlichen Rohstoffen hergestellt und landen auf der Müllhalde.

Unordnung

Herumliegende Werkzeuge sind eine Gefahrenquelle. Der Klassiker: eine umgedrehte Harke. Interessant, das es immer noch Fälle gibt, wo sich Menschen damit verletzen.

Werkzeug Unordnung
Unfälle sind oft vorhersehrbar, Chaos auf dem Arbeitsplatz

Gefährlicher aus meiner Sicht ist die unsachgemäße Lagerung von giftigen, brennbaren, reizenden und explosiven Stoffen. Besonders schlimm ist es Flüssigkeiten in Lebensmittelverpackungen abzufüllen. Es ist nicht nur fahrlässig, sondern kriminell. Mir ist ein Fall bekannt von einem jungen Vater, der Gift aus einer Colaflasche getrunken hat. Er hat es nicht überlebt.

Das ist sehr traurig. Und unnötig.

Faktor Mensch

Informatiker wissen es: das größte Risiko in einem IT- System hat zehn Finger und zwei Augen. Keine Antivirusprogramme helfen, wenn der Benutzer freiwillig seine Passwörter in die Fishingmail eintippt.

Genauso ist es im Garten, die Harke kann nur durch einen Menschen umgedreht werden. Ist der Mensch abgelenkt, gestresst, müde oder verliebt passieren Fehler, die unangenehme Folgen haben können.

„Messer, Schere, Feuer, Licht sind für Kinderhände nicht!“

Die eigenen Kinder werden uns Eltern nie schnell genug groß.

Auch wenn wir das nicht wahr haben wollen, viele der Werkzeuge die im Garten eingesetzt werden sind laut Gesetzgeber nur von Personen ab achtzehn zu bedienen. Dazu gehören alle mit Verbrennungsmotor betriebenen Maschinen. Also auch der Rasenmäher, Heckenschere und Kantenschneider.

Rasenmäher umgekippt
Selbst wenn die Kinder die basics beherschen, im Notfall können die nicht richtig reagieren

Zurecht. Werkzeuge sind von der Größe und Gewicht für Erwachsene konzipiert. Ein Kind hat nicht die Kraft und Erfahrung im Notfall richtig zu reagieren.

Mensch schütze dich!

Schutzkleidung ist sinnvoll. Handschuhe, Schnittschutzhosen und Regenkleidung sind zum Glück nicht mehr so klobig und hässlich wie früher. Sicherheitsschuhe sind optisch von Turnschuhen nicht mehr zu unterscheiden. Und Handschuhe gibt es in Passformen die für menschliche Hände geeignet sind.

Frau mit Schutzausruestung
Wer sich liebt- trägt Schutzausrüstung

In meiner Ausbildungszeit hatten die Handschuhe noch die Passform für Yetis und nicht für Menschen.

Praxistipp

Bringe im Garten einen Verbandskasten an. Es muss nicht viel darin sein.

Bisschen Verbandmaterial für kleine Schnittwunden, eine Pinzette um die Rosenstachel und Splitter herauszuholen, eine Sprühflasche mit Desinfektionsmittel. Das reicht.

Gute Plätze dafür sind: das Gartenhaus, die Terrasse, die Garage; es ist einfach praktisch.

Du kannst einfach den alten abgelaufenen Verbandskasten aus dem Auto frisch auffüllen.

Fazit

  1. Gartenarbeit macht mit Sicherheit Spaß.
  2. Unfälle lassen sich verhindern durch einfache Vorsichtsmaßnahmen.
  3. Für Notfälle ist es gut ein Verbandskasten im Gartenhaus zu haben.
Verbandskasten
Verbandskasten solte immer leicht erreichbar sein

Vadim hat die Verletzung gut überstanden. Die Fingerkuppen sind gut verheilt aber etwas schmerzempfindlicher als die anderen Finger.

Habe ich eine Gefahrenquelle vergessen, oder hast du einen ultimativen Sicherheitstipp?

Nimm dir eine Minute Zeit und lass die anderen Leser deine Meinung wissen.

3 thoughts on “Wie gefährlich ist Gartenarbeit wirklich”

  1. Vor allem beim Umgang mit Kettensägen, sind viele unvorsichtig und setzen ihre Gesundheit unnötig aufs Spiel. Und auch die Handhabung von Äxten & Co: am besten immer vom Körper weg die Kraft einsetzen.

    1. Danke Marcel für die Ergänzung, Motorsägen verursachen dadurch das die ein Hobelzahn haben Verletzungen die sehr lange heilen, weil Gewebe herausgerissen wird. Dabei ist es egal ib das eine Benzin oder Elektro Säge ist.

  2. Hallo David. Stimmt, die Verletzungen sind „unschön“. Etliche Beispiele konnten wir beim Kettensägenlehrgang kennenlernen. Auf eine verletzungsfreie Gartensaison! Grüße, Marcel

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