Vier Gründe für den Pflanzenschnitt

Ja, das stimmt, ich denke in Schubladen.

Bestimmte Dinge lösen bei mir bestimmte Gefühle und Reaktionen aus. Das ist sehr praktisch. Das machen wir alle, das schützt unser Gehirn vor Überlastung und wir müssen nicht jedes Mal neu entscheiden, was uns gefällt und was nicht.

Eine bewährte Einteilung der Lebewesen geht so: Nutzpflanzen, Zierpflanzen, Unkraut; Nutztiere, Haustiere, wilde Tiere; schädliche Insekten, nützliche Insekten und Biene Maja. Vielleicht haben Sie etwas differenziertere Kategorien, kann sein.

Für jedes dieser Lebewesen haben wir eine Vorstellung, wie dieses auszusehen hat. Löwe – wild (in neuen Kinderbüchern vegetarisch und schwul), Biene – nützlich, Blütensträucher – rund, Solitärsträucher – rund, Obststräucher – rund, Hausbaum – rund.

Deswegen lautet der häufigste Kundenwunsch an mich: schneiden Sie diesen Strauch bitte rund. Die Steigerung davon ist: schneiden Sie diesen Strauch SCHÖN rund.
Hat sich die Evolution Millionen von Jahren bemüht, tausende von verschiedenen Pflanzen hervorzubringen, damit der moderne Gartenbesitzer die alle gleich, „schön rund“ schneidet?
Wozu überhaupt schneiden?

Erstens.

Wenn man in der Baumschule nicht auf das Etikett der Pflanzen schaut, und Pflanzen kauft, die viel zu groß für den Reihenhausgarten werden. Dann muss man schneiden, damit die Pflanze nicht zu groß wird. Das ist der häufigste Grund, warum geschnitten wird. Tipp: Rotfichte, Eiche, Thuja, Buche und Birke sollten nur in Gärten gepflanzt werden, wo die 150-200m² Platz haben.

Zweites.

Wenn die Pflanzen eine bestimmte Form haben sollen, von Natur aus aber nicht so wachsen wollen. Hecken, Buchsbaumkugeln, Bonsais und alle erdenklichen Formpflanzen.

Drittens.

Wenn Pflanzen eine bestimmte Funktion erfüllen sollen. Obstpflanzen müssen geschnitten werden, damit sie weniger – dafür gesündere Früchte tragen.

Viertens.

Für die Gesundheit. Pflanzen werden auch älter, so wie wir, und irgendwann sterben die, so wie wir. Eine Weide hat in der freien Natur eine Lebenserwartung von 70-90 Jahren, durch Schnitt kann das Alter des Baumes verdoppelt werden. Es gibt Kopfweiden, die weit über hundert Jahre alt sind. Das gleiche gilt auch für Sträucher und Obstbäume, durch Verjüngungsschnitt bleiben die Pflanzen länger gesund und gutaussehend.
Von sich aus, brauchen die Pflanzen keinen Schnitt. Äste die dem Baum nichts bringen, weil die durch Geschwisteräste oder andere Bäume beschattet werden, werden abgestoßen. Der Baum entrümpelt seine Krone selbstständig. Das ist der Grund, warum Pflanzen „Totholz“ produzieren.

Woher kommt der ständige Wunsch der Gartenbesitzer an den Sträuchern „rumzuschnibbeln“?

Ordnungssinn.

Menschen erziehen Kinder, damit die am Tisch nicht kleckern und Haustiere damit die freundlich zu dem Postboten sind, optimieren sich selbst in VHS Kursen und auf der Hantelbank. Da kann die Natur im Garten nicht einfach wuchern.

Und jetzt kommt die Heckenschere ins Spiel. Es ist leicht damit alles wilde Zeug gerade zu schneiden. Man muss nicht wissen, dass Kornelkirsche einen Etagenwuchs und Feldahorn einen durchgehenden Leittrieb hat. Auf hoher See und vor der Heckenschere sind alle (Pflanzen) gleich. Pflanzengerecht ist diese Schnittart nicht, dafür passen die Sträucher besser in die Schublade mit den schönen, runden, gleichen Pflanzen.